Neulich beim DriveIn

Posted on 24. Dezember 2011

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In Zukunft werde ich all meine Energie und Leidenschaft darauf verwenden für Diskriminierung und dem gerade von mir neu erfundenen ARTENHASS einzutreten! Ich werde dafür eintreten, dass nicht nur dicke von dünnen und unentschlossene Gefräßige von ernährungsbewussten Entschlossenen getrennt werden. Ich werde auch dafür sorgen, dass Autofahrer ohne Ablagefläche vor dem Beifahrer, keine Getränke mehr dort hinstellen.

Alle Menschen, die in Zukunft meinen Test zur DriveIn Integration nicht bestehen, bekommen ihr Essen in den Kofferraum oder aufs Dach gestellt. Wer sich weigert wird erschossen. Nicht nur das die beiden Fetten vor mir (man konnte das Geschlecht nicht mehr erkennen) so weit vom Schalter entfernt gehalten haben, dass dem Fahrer fast der Arm abgerissen wäre beim Bezahlen, nein!, sie haben dann auch noch versucht das ganze Essen irgendwo in ihrem Auto zu lassen (ein alter Ford Fiesta). Aber es war kein Platz mehr! Und vor dem Beifahrer gab es keine Ablage. Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie zum essen ausgestiegen wären.

Ich will in Zukunft eine strickte Trennung von Fastfoodfähigen und Unfähigen. Ich werde eine geschlossene Gesellschaft herausbilden; zielstrebig, rationell und technokratisch – jedem jüngsten Gericht gewachsen, egal an welchem Schalter es bestellt werden kann. Bereit sich von den Messern und Gabeln der Vergangenheit zu trennen, bereit sich mir in dem Kampf gegen Kleingeldzählerei und Umbestellerei an Kassenhäuschen anzuschließen. Alle diejenigen, die bereit sind, sich völlig dem Sinn und Zweck von straff gehaltenen Speisekarten zu unterwerfen, werden meine Jünger heißen, werden sich durch die Reinheit in ihrer Bestellung und durch die Überlegenheit der Erkenntnis des zu erwartenden, den zum Scheitern verurteilten Magengesteuerten überlegen sein. Sie sollen von den Autoauffahrten hinfort und aus den Warteschlangen hinaus an den Rand verdrängt werden. Wo auch immer sie anstehen, zwischen was auch immer sie sich nicht entscheiden können, sie halten den Verkehr auf und sind damit der erklärte Feind von jener Zügig- und Zielstrebigkeit, die unserer Gesellschaft den Bestand in einer sich immer schneller entwickelnden Zukunft sichert.

Und ich werde das alles manifestieren in einem Buch. Und ich werde es „Mein Mampf“ nennen. Und die beiden, denen die Welt dieses, grausame Schicksal zu verdanken hat, werden von mir verflucht. Sie müssen bis ans Ende ihrer Tage, wie einst Sisyphos, den DriveIn umkreisen. Mit Scheinen und Kleingeld, in der zur Faust geballten Hand, den Schalter nicht erreichen und ungelenk, ob ihrer Leibesfülle, im Zickzack vor und zurück fahren, bis ihr schweissbesudeltes Geld endlich auf dem Tresen liegt.
Ewig sollen sie das bescheuerte, fehlende 5Cent Stück unter ihrem Fahrersitz suchen. Und jedesmal sollen ihnen die Getränke – heisser Kaffee mit Milch und Zucker – von der schiefen Ebene der Plastikverkleidung rutschen und ihnen den Schoss verbrennen. Und das müssen sie dann machen bis ans Ende der Zeit. Bis sie es bergiffen haben.

© & ℗ Frank Barneföhr · Alle Rechte vorbehalten · Text/Ba · Keine unerlaubte Kopie, auch nicht auszugsweise, ohne schriftliche Genehmigung des Verfassers.

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Posted in: Neuliche Texte