Luzifer tritt vor Gott

Posted on 29. August 2012

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Wer fühlen will, muss hören:

Durch endlose Weiten ohne Glanz oder Zeiten, schreitet bekleidet von Lichtglanz ein Mann
Sein Haupt leicht gebeugt und in tiefen Gedanken, doch aufrecht im Herzen, geht er voran
So steht er dann, im Kreis der Gewalten, seinen Schöpfern und Vätern, den Weisen und Alten
„Es geht um deine Kinder. Die halben Lichtgestalten. Warum willst du sie wie arme Tiere halten?“

Gott spottet: „Warum glaubst Du, dass sie so sein wollen wie Du?“
„Sich frei zu entscheiden um zu zweifeln immerzu?“
„Ich habe die Menschen geschaffen zu leben und nicht dafür, nach Hohem zu streben!“
„Ohne Scham oder Angst, um an nichts zu verdriessen, schuf ich ein Paradies, ihre Lust zu geniessen!“

„So ist‘s doch verdriesslich und schier ungeniesslich, dass sie nichts davon wissen, sich entscheiden zu müssen
Denn sie sind nicht frei und ihr Wert einerlei. Sie sind nichts als nur Puppen
Gleich der himmlischen Heere, dienen sie nur deiner Ehre und preisen dich ständig, fromm und unbändig
Wie unfehlbar du bist. Wie gerecht, gut und heilig. Oh, wie selbstlos von dir und wie furchtbar langweilig.“

Wohl gibt‘s keine Zeit in dieser Welt ohne Weiten, doch für eine Sekunde oder Ewigkeiten
Gab‘s kein Lob oder Ruhm seiner Heiligkeit. Für diese eine ewige Sekunde beherrschte nicht Gott,
sondern Schweigen, die Runde. Denn solche Anklagen, wurden noch nie vorgetragen
Keiner der Knechte des heiligen Herrn, hätte es jemals verstanden so etwas zu wagen.

Den Engeln und Seraphim, Monstern und Cherubim, die Gott sich geschaffen, als mächtige Waffen
Stockte der Atem, was jetzt wohl geschähe? Ob Satan nun endlich sein Ende sehe?
Jetzt kann der Schöpfer sein Werk nicht mehr formen, hat Gott sich versklavt an die eigenen Normen
Welch grandioser Gedankengang, durchfuhr es die himmlischen Heere bang

„Luzifer, Luzifer – ich schätze dich sehr! Denn nichts, was ich schaffe, kommt von ungefähr
Freiheit und Wert, acht‘ ich nicht als verkehrt. Und aus Liebe und Verständnis,
schuf ich den Baum der Erkenntnis. Nichts, was Du siehst, ist freiwillig hier, drum schuf ich dich zur Hilfe mir
Zweifel nicht daran, denn kein Gott kann etwas anderes erschaffen, als willfährige Affen“

So stand Luzifer vor Gottes Thron. Wie ein Händler ohne Waren, wie ein vorlauter Sohn
„Dann werde ich gehen, Adam zu sehen. Nur du musst mir versprechen, dein Wort nicht zu brechen!
Denn jetzt kommen Zeiten voll Sehnsucht und Mord – Dein Paradies wird ein schrecklicher Ort!
Und mir wird man sagen, ich bringe die Plagen. Mir fällt anheim der Böse zu sein!

„War es nicht eigentlich dein eigener Plan und nun kommst du zu mir und schickst dich an,
Mir erzählen zu wollen, wir tauschen die Rollen? Dass Du wärest der Schöpfer und ich der Verschlinger?
Schneide Dir nicht in die eigenen Finger – Ich bin hier Gott und Du nur ein Engel. Tu‘ was ich sage,
Dann gebe Ruh‘. Was ich entscheide ist meine Passion. Und wenn ich dich brauche, hol‘ ich dich schon!“

„Denn noch ist nichts Böses auf Erden vertreten. Es gibt weder kleines noch großes an Nöten
Erst muss dir gelingen dein Werk zu vollbringen, denn erst Mangel an Glauben öffnet die Augen
Und damit unser Mensch das Böse auch sieht, komme ich dir zu Hilfe für den Unterschied
Damit sie sich fürchten, um sich selber zu spüren, werd ich mit Flüchen das Böse erst schüren!“

© & ℗ Frank Barneföhr · Alle Rechte vorbehalten · Musik W. A. Mozart „Lacrimosa dies illa” zu deutsch: „Tränenreich ist jener Tag“ · Keine unerlaubte Kopie, auch nicht auszugsweise, ohne schriftliche Genehmigung des Verfassers.

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