Bleib ein Wenig!

Posted on 19. November 2012

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Zeit soll unseren Geist beherrschen
Das Jahr soll unser König sein!
Wir geben, dass es herrschen kann
Ihm Stück für Stück vom Leben

Ein Jahr lügt uns mit Fortschritt an
Stillstand wäre Rückschritt
Doch weil es nichts als prassen kann
Fehlt immer der Gewinn

Ein Monat mag ein Herzog sein
Ein Konsul oder Kanzler
Doch keiner dieser hohen Herren
Bedenkt das Volk mit Gnade

Des Jahres zwölf Bedienstete
Sind allesamt nur Hurenböcke!
Besteigen ihre Hurenwochen
Wie notgeile Kalenderblätter

Die Brüste dieser faulen Dirnen
Sind prall gefüllt mit Mühe
Fünf ganze Tage saufen satt!
Danach zwei Tage ruhe

Wenn etwas unseren Geist beherrscht
Dann sind es eher Stunden
Durch sie werden wir immerzu
Von Tag zu Tag geschunden

Die Stunden sind die Arbeiter
Minuten ihre Kraft
Jede wird nach Menschenwillen
Gevierteilt und bestraft

Sie vegetieren viertelstündlich
In streng bewachten Zonen
Keine darf jemals entkommen
Ohne sich zu lohnen

Von jeder Stunde fordert man
In ihr soll sich das Werk vollenden
Der Zeitgeist schont die Sklaven nicht
Der Schwäche ihres Wesens wegen

Jede Stunde brodelt schier
Von tausenden von Maden
Es stinkt nach Tod, wenn Sekunden sich
Genüsslich an Minuten laben

Der Zeit geschundene Bedienstete
Dienen einem unglücklichen Haus
Das ist es, was uns beherrscht
Tag ein, Tag aus!

Doch wer ist der Erreger
Ohne den es alles anders wäre?
Das Kebsgeschwür dieser Gesellschaft
Betriebswirtschaftslehre!

 
© & ℗ Frank Barneföhr · Alle Rechte vorbehalten · Keine unerlaubte Kopie, auch nicht auszugsweise, ohne schriftliche Genehmigung des Verfassers.

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Posted in: Gedichte