Rotkäppchen

Wolf:
Schenk mir ein von dem Wein
Und laß mich den Kuchen fressen
Ha! Du dummes Ding!
Dein Blut soll es sein!
Das will ich trinken

Mädchen:
Ich wußte, dass mein Blut dich lockt
Und meine zarte Haut
Der Wein jedoch ist für mich alleine!
Ich kenne dich Wolf
Sag, kennst du mich auch?

W:
Ja! Ich sah dich oft allein
Allein, im Mondenschein und im Dunkeln
Warum bist du hier?
Aus Kummer?
Das wäre ja scheußlich! (lacht)

M:
Redest du von Scheußlichkeiten?
Als wärest du gegen sie!
Aber so wie ich bin
Ist es schlimmer um mich bestellt
Als wäre ich mitten unter euch

W:
Törichtes junges Mädchen
Des Herzens schweren Schlages wegen
Unser Futter werden?
Warte auf den Nächsten
Lauf weg, solange ich dich lasse!

M:
Ich kann nicht!
Nicht mehr und niemals wieder
Wohin soll ich laufen?
Meiner Sehnsucht fehlt alle Kraft
Mein Herz erneut von mir zu stoßen

W:
So soll es denn sein
Nur wir Kreaturen können lieben
Die Menschen verstehen es nicht mehr
Ihr Blut ist kalt geworden, ohne Leben darin
Es schmeckt fade und macht nicht lange satt

M: (müde)
Ich habe es ebenso erfahren
Ich habe versucht zu lieben und davon satt zu werden
Aber es wurde keine Kreatur aus mir, kalt und hart
Ich wurde ein Krüppel um meiner Liebe willen
Um dieser meiner Schwäche wegen, komme ich zu euch

W: (barsch)
Sauf deinen Wein aus!
Schau auf dein Elend und zieh dich aus
Gedenke deiner Qualen und der irdischen Schwächen
Dann beiße ich dir die Kehle durch
Damit deine stinkende Lieblichkeit verendet

M: (bittet)
Wirst du mir den Liebsten rufen?
Damit er es ganz mit mir zu Ende bringt?
Er ist wie ihr, und ich will in seine Augen sehen
Wie damals, als es am schönsten war
Er es aber so schmerzvoll beendete

W:
Unsere Liebe ist anders
Wir fressen gegenseitig unsere Seelen
Wer weiß, ob er nicht schon satt ist
(verachtend)
Eure Liebe ist eine Krankheit
Wer gesund ist, liebt nicht!

M:
Ich bin krank vor Liebe
Und brauche meine Seele nicht mehr
Soll sie doch gefressen werden
(in sich versunken, flüsternd)
Im Mondschein verblutet
Von Wölfen gefressen

W: (zufrieden, zynisch)
Das kann ich gut hören!
Da spricht die Liebe
Derjenige nach dem Du verlangst soll dich töten!
Schmerzen von innen und von außen!
Solche Opfer lieben wir!

M: (aufgelöst)
Wisst ihr überhaupt was Liebe ist?
Nur zum Spaß missachtet und missbraucht ihr sie!
So wollt ihr eure Wildheit und Freiheit bezeugen?
Ist es nicht mehr, als alles Schöne und Gute in Fraß zu verwandeln?
Schmeckt euch das Leid immerzu?

W: (verärgert)
Schweig endlich!
Wir fressen, was deinesgleichen Liebe nennt
Weil es nichts anderes mehr ist, als Fraß
Wir fressen und fressen immerzu
Weil ihr nicht aufhört uns damit vollzustopfen!

© & ℗ Frank Barneföhr · Alle Rechte vorbehalten · Keine unerlaubte Kopie, auch nicht auszugsweise, ohne schriftliche Genehmigung des Verfassers.

Geschrieben von · Der Silbenschmied

Ich spreche mit Tieren, tanze beim Kochen und singe beim Autofahren. Ich lache gerne. Über mich, das Leben und den ganzen Rest. Und manchmal auch einfach nur so.

3 Kommentare

  1. I liked to describe, how I estimate the love of a twosome. I watch them how they start to creep around each other when the first rush of love is squibbed. Like mutts or wolfs.
    Both want a big piece of the prize, a glittering daily routine, which is promised thru those advertisements showing men and women together successful, free, beautiful and victorious! Or they try to conserve a state, a cut above due to the agreed shape of the partner among the friends and such. Or an expensive car that signify the partnership. Important car = important partnership. A house, journeys, quality of living…all the shit that has to serve as a witness to deceive the social environment about the love that has become boring.

    By the by, they bite pieces off their souls to a) gain control or b) hurt the partner to not get hurt themselves. It cannot be explained why love exists. It is just chemistry that flows thru our veins. Much more important is the question why we believe that this feeling has to last longer than two weeks, six months or three years. A social convention, born out of the unpleasant need to succeed in the competition of love elsewise. Although everybody wants it anyway – in their phantasies.
    Thanks to pornography we haven’t gone mad until now, but we are on the way, because pornography couldn’t keep it’s promise like love cannot. What a pity!
    We seek love just for pleasure. Just like we enjoy most of our desires – more or less.

    The girl in my poem represents the weak part of a relationship, which needs deeper feelings more often. There will always be a stronger part that will strain the weaker part of the two in any love affair. This girl hoped for a lasting and comfortable numb love, carrying her in a cradle. She would have loved him in return, at least what she thought of what would be „love“. The day her lover would have revealed his „secret wishes“ to her, she would have reached the same point.

    – – – –

    Ich wollte beschreiben, wie ich die Liebe von (Liebes)Paaren einschätze. Ich beobachte sie, wie sie sich gegenseitig umschleichen wenn der erste Rausch verflogen ist; wie Köter oder Wölfe eben.
    Jeder will das größte Stück von der Beute, einem Glitzerleben, das ihnen in der Werbung versprochen wird: Freiheit, Erfolg, Schönheit, Sieg über den Alltag. Oder sie wollen einen Status konservieren. Wie auch immer das geartet ist. Entweder der schöne Körper des anderen, um damit im Freundeskreis eine Stufe aufzusteigen, oder das Gehalt, damit das Auto zur Beziehung passt: Tolles Auto = tolle Beziehung. Haus, Urlaub, Lebensqualität…der ganze Scheiß, der dafür herhalten muss, damit das Umfeld erfolgreich getäuscht bleibt; wie langweilig die Liebe geworden ist.

    Nach und nach beißen sie sich Stücke aus ihrer Seele, damit sie a) die Beziehung entweder kontrollieren oder b) den anderen verletzen, um ihn zu schwächen, damit sie selber nicht verletzt werden.
    Es gibt keine Erklärung dafür warum Liebe existiert. Das ist alles nur Chemie, die durch unseren Körper fließt. Viel interessanter ist die Frage, warum wir glauben, dass Liebe länger dauern muss als zwei Wochen, sechs Monate oder drei Jahre. Eine gesellschaftliche Konvention, geboren aus der Faulheit sich ständig wieder ins Abenteuer stürzen zu müssen. Obwohl wir das alle unbedingt immer wollen. Porno sei dank, sind wir noch nicht alle wahnsinnig geworden deswegen. Wir sind aber schon auf dem Weg, denn Pornografie kann leider auch nicht halten, was sie verspricht. Wir sind wieder am Anfang, denn Liebe kann auch keine Versprechen halten. Schade das!
    Wir suchen Liebe einfach nur, weil es ein angenehmes Gefühl ist. Genauso wie wir jedem anderen Trieb folgen – mehr oder weniger. Das Mädchen in diesem Gedicht steht für die Schwachen, die das Gefühl von Liebe öfter oder intensiver brauchen als andere. In jeder Beziehung gibt es immer einen stärkeren Teil, der den schwächeren Teil der Beziehung belastet. Sie hat gehofft, dass ihre Liebe bequem bleibt und sie für lange Zeit in einer Wiege behält. Als Gegenleistung dafür hätte Sie zurück „geliebt“. Zumindest das, was sie darunter verstanden hätte. Wenn ihr Geliebter seine „geheimen Wünsche“ offenbart hätte, wäre sie eben später an diesen Punkt gekommen.

  2. This is explained easily on the one Hand side, but complicated on the other 🙂

    Most of my doubts ending up in a poem. My doubts are nourished by the wastern world, the believe in advertisements and a misguided fascination of technic, electronics and (in its results) entertainment.
    The idea of all that arose from reading parts of Darwin, Sumner and Smith. Three great (?) minds that helped the nazis to form their interpretation of a science that is known as social Darwinism.
    Those phantasies, that a beautiful body entails a desirable or valuable spirit or personality is a common superstition.
    In germany it is still often misunderstood: Surviving of the fittest is interpreted as surviving of the strongest (an example for the occasions of my intentions).
    It is fascinating to me to see how much people believe that they are better or cleverer beings (I mean humans) than others. How we believe that education will lead us into a better and brighter future. Believing in human intelligence is a big laugh for me. We are all complete idiots! Me included, of course!

    Other personal reasons lead me to disbelieve and criticism. The Bible still is a significant source of thoughts and doubts (e.g. the books of Moses; Job; Ecclesiastes). Most of what I observe from peoples actions around me are also sources never running dry. Love is shit – that is my statement, because we cannot „love“ we can only use things. If two people truly loving each other, it is just to make thousand others feel angry. Sometimes we are lucky and didn’t use things to it’s death. I quote that freedom is not possible: We only function in a dependency that let us choose our mistakes and blame someone else for that. Everybody is knitting his own falsities.
    The freedom of speech or expression makes it possible that anybody is allowed to spread lies and deception. The ones that really had to say something are quiet – were silenced. They are busy to make a living. No time to shout out loud what is wrong (live, love, suffer and die!) I spend much time to watch people, what they are consuming, the old and the young. I build intersections, label and categorise them. I add together what I think will fit into my categories and wait whether it is conform to my opinions or not. It was a german philosopher (A. Schoppenhauer) who described „every personality is formed by it’s will“ This is only a very short summary of what he taught. Until today we believe: Where there’s a will, theres a way!?! Or also stupid: Man forges his own destiny.
    All our intelligence, destiny, beauty, luck… works as long as we have the money to afford it or buy the mistakes away.
    Money is the only God that can answer prayers today!

    That was the easy part

    Difficult is it to find words for it. To put it in a song or a poem. I need hours, days, weeks to search for syllables that will function together, that will make sense. I need to feel the words „rolling“ the syllables kissing, so that my rhymes will turn round in circles. And I will only publish what is „perfect“. It is better to shut up, instead of wasting time and space for something worthless or unimportant. An idea that didn’t seem to concern much writers, because they think that it must be from huge importance what goes round in their tiny little minds. That is why I love your blog so much. It is so true, so natural and „normal“ Not a single boring sentence! I’ve read a few lovepoemwriters and housewives, whining about their hard life or the beauties of a sundown wrought with some clouds. Or the army of clowns describing their daily „accidents“ to make us laugh. That is not my style! Too ordinary, too boring!

    And everything I know is what I need to know
    And everything I do’s been done before
    Every sentence in my head
    Someone else has said
    At each end of my life is an open door

    Song: 905/written by John Entwistle. Published on Who’s next/The Who

  3. I read both of your poems that were on the list-I really love the depth of your thoughts-the one about the wolf=and love-I would like to hear about what gave you those thoughs-I can say I feel the same about so much of it-why do we need it-what is in inour souls that seeks it. I will be looking for your next letter, on Ihrem poetischen Freund Brenda

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