Irgendjemand sprach von Liebe

Posted on 15. August 2013

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Erwachen

Nicht ganz erwacht aus einem Traum
Die Lider waren mir noch schwer
Fand ich mich wie betäubt, so dumpf
Und totenbleich in meinem Bett

Ich wußte nicht gleich wo ich war
Ich fürchtete, ich wär‘ noch dort
Denn immer noch sah ich vor mir
Die Bilder vom geträumten Ort

Die Hilferufe der Verdammten
Zu pfeifend hohen Flötentönen
Sie hielten mich noch fest gebannt
Mir stockte auch der Atem

Dann wurde es mir klar und klarer
Es war viel mehr als nur ein Traum
Es war ein Bild vom Weltenfahrer
Er wollte sich mir anvertrau’n

Deshalb konnt’ ich den Traum nicht fliehen
Ich wurde noch gebraucht dort drüben
Mein Meister hat mich eingeweiht
Erkenntnis und Erbarm’n zu üben

Der Traum

Ich stand am Rande eines Schlachtfelds
So wie Remaque es einst beschrieb
Es war vom Liebestrommelfeuer
Unzählbar oft schon umgepflügt

Statt Wind sang hier das Totenlied
Nichts wuchs mehr auf dem nackten Boden
Der übersäuert war und satt
Von Tränen, Gram und Jammer

Im ganzen Leben sah ich nichts
Vergleichbar arg zertrümmertes
Verscharrt wurden die Leichen nicht
Man ließ sie einfach liegen

Doch bei einem Posaunenstoß
Da sah ich; stiegen nah und fern
Die totgeglaubten wieder auf
Und baten um ein Leben

Der Tanz

Die dekorierten Uniformen
Waren brokate Leichenhemden
Und feierlich verliehene Orden
Gewetzte Messer, um zu morden

Die Weiber waren splitternackt
Nichts trugen sie auf ihrem Leib
So dachten sie die Schlacht zu führen
Aus lauter Spaß und Zeitvertreib

Viele waren schon verletzt
Heil war eigentlich keiner mehr
Und widerfuhr dem einem Leid
Verletzte er den anderen mehr

So drehte sich die Szenerie
Wie in einem Reigen
Schadenfreude trieb sie an
Und andr’er Menschen leiden

Sie lockten sich mit Lob und lächeln
Sie tanzten und sie sprangen
Doch kamen zwei zu nahe sich
Gab’s Messer zu empfangen

Sie wollten ihre Kehlen treffen
Die Augen oder Herzen
Wo war ihnen scheinbar gleich
Hauptsache waren Schmerzen

Teils hielten sie sich eng umschlungen
Von Lust und Wünschen angefacht
Doch tief in ihnen schlief niemals
Die Rache und hielt Totenwacht

Frieden war hier kaum in Sicht
Die Sehnsucht hat mobil gemacht!
Und der Beschuß mit Liebesschwüren
Schien auch nicht mehr zum Ziel zu führen

Erwachen

Als ich so dastand, voll entsetzen
Vernahm ich, wie aus weiter Ferne
Ganz dünn und leise, flehentlich
Die Stimme eines Geistes

Es war mir so; Er sprach von Liebe
Von ferne hab ich es gehört
Von Zweisamkeit und Zuneigung
Die zärtlich ist und nicht zerstört

Irgendetwas sprach von Liebe
Und fast wohl hätt‘ man es gehört
Doch niemand hatte Zeit zu hören
Es schien wohl eher sie zu stören

Der Traum ist fort! Es ist zu spät
Jetzt lieg ich hier, noch wie gebannt
Ich hoffe sehr, ich muss nie mehr
In dieses leiddurchtränkte Land

Wer kann diesen Traum mir deuten
Schwester? Bruder? Vater? Mutter?
Wer kann mich von dort fort begleiten
Falls ich je selber lieben möchte?

Doch irgendjemand sprach von Liebe
Hätt‘ man ihn nur verstanden!
Irgendjemand sprach von Liebe
Er war wohl zu weit weg von allen

© & ℗ Frank Barneföhr · Alle Rechte vorbehalten · Keine unerlaubte Kopie, auch nicht auszugsweise, ohne schriftliche Genehmigung des Verfassers.

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